Chemnitz


Das Vor-Kriegs-Chemnitz, in etwa vom Parkplatz (Augustusburger- Ecke Bahnhofstraße) aus gesehen in Richtung Rathaus.

Historie


Hier die Poststraße, heute Bahnhofstraße
Anfang des 20. Jahrhunderts galt Chemnitz als das "Sächsische Manchester", was es seiner Bedeutung als Hauptsitz des deutschen Maschinenbaus zu verdanken hatte. Europaweit erlangte Chemnitz bereits vorher durch seine Textilherstellung und -verarbeitung Ansehen.
Viele kleine Straßen prägten das sehr dicht bevölkerte Stadtbild vor dem 2. Weltkrieg, gesäumt von Kaufhäusern und Mehrfamilienhäusern in deren Erdgeschossen sich Geschäfte und kleinere Firmen eingemietet hatten.
Der Johannisplatz.
(Zwischenzeitlich in "Posthof" umbenannt, von der Straße der Nationen aus gesehen.)

Der damals zentralste und lebendigste Platz von Chemnitz. Von diesen hier sichtbaren Gebäuden steht kein einziges mehr.
Im 2. Weltkrieg wurde die blühende Industriestadt zu zwei Dritteln dem Erdboden gleichgemacht.
Seitdem fehlt Chemnitz ein Zentrum mit wirklichem Innenstadtcharakter. Denn wieder aufgebaut wurde sie erst sehr langsam, mangels finanzieller und materieller Mittel, und nach den damaligen Vorstellungen der sozialistischen Regierung: geradlinig und sehr weitläufig.
Man entwarf das neue Karl-Marx-Stadt am Reißbrett! So sah dann also das Stadtbild bis zur Wende aus. Im Vordergrund ist der seit dem 12. Jahrhundert existierende Rote Turm zusehen, der einen Teil der damaligen Festungsanlagen bildete. Im Hintergrund das höchste Hotel der Stadt.
Trotz widrigster wirtschaftlicher Umstände kam die chemnitzer Industrie schon bald wieder auf die Beine und meldete sich auf dem Weltmarkt zurück.

Das wohl Umstrittenste und typischste Kennzeichen von Chemnitz ist das Karl-Marx-Denkmal, von den Eingeborenen kurz "Nischl" genannt.
Vor den Grenzen der Stadt steht die Burg Rabenstein auf einem Felsen. Sie ist die kleinste Burg Sachsens.
Für mich persönlich erwähnenswert ist die Nicolaikirche, die stadteinwärts auf der rechten Seite der Stollberger Straße, an der Stelle, die heute das Dorint- Hotel einnimmt, ihren Platz hatte.
Wegen ihrer exponierten Lage wurde die Nicolaikirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder in Auseinandersetzungen zerstört und wieder aufgebaut.
Heute erinnert nur noch die etwa zwei Meter hohe Mauer zur Stollberger Straße hin an deren Existenz. Vor der Wende gab es jedoch die Möglichkeit, durch ein unscheinbares Erdloch hinter der Mauer in die noch vorhandenen Kellergänge zu gelangen.
Für uns, ein Grüppchen abenteuerlustiger Halbwüchsiger, gab es nichts Spannenderes als die Erforschung dieses stockdusteren, unterirdischen Labyrinths, von dem sonst fast keiner wusste. Dem Anlass entsprechend bauten wir uns große Fackeln aus Holz, Zeitungspapier, Strick und Leim. Wir krochen in halb verschüttete Räume, in denen man leicht Platzangst bekam und die Luft knapp wurde. Aber wie das meiste verlor auch das irgendwann seinen Reiz und da der Aufwand und der Hinweg relativ aufwendig war, haben wir es irgendwann einfach gelassen.
Als ich Jahre später mit dem Bus vorbeifuhr und man mit dem Bau des Dorint- Hotels anfing, hatte ich das Bedürfnis noch ein letztes Mal durch das Loch zu kriechen und noch einmal das alte Gemäuer in Augenschein zu nehmen. Aber das war nur ein Gedanke
© 2003 Schwester Pester